Nachruf auf Franz Beckenbauer: Legenden leben ewig

Nachruf auf Franz Beckenbauer: Legenden leben ewig

Franz Beckenbauer ist tot. Mit ihm verliert dieses Land die größte Persönlichkeit, die der deutsche Fußball jemals hervorgebracht hat.

Unvergessen, wie der damalige Spieler mit der Nummer 4 und Nummer 5 auf dem Rücken den Ball streichelte, wie es niemals zuvor jemand getan hatte. Ob im Trikot des FC Bayern oder der deutschen Nationalmannschaft. Unvergessen auch sein Auftritt außerhalb des Platzes: Ausgefallene Klamotten, Werbespots für Suppen, eigene Songs – der ‚Kaiser‘ war einer der ersten Popstars in der Welt des Fußballs.

Unzählige Titel pflastern den Weg der ‚Lichtgestalt‘. Nationale Meisterschaften, Pokalsiege, Titel-Hattrick im Europapokal der Landesmeister, Europameister, Weltmeister als Spieler und als Trainer.

Doch Beckenbauers Lebenswerk war ein anderes: Als Chef des deutschen Organisationskomitees holte der ehemalige Präsident des FC Bayern die Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland. Er rührte auf unzähligen Reisen die Werbetrommel für sein Heimatland, das sich schließlich der Welt präsentieren durfte, wie sie es zuvor nicht kannte – charismatisch, herzlich, offen und modern. Kein Politiker hätte es jemals geschafft, das Image der Deutschen so aufzupolieren, und dem Volk beizubringen, sich auf eine gesunde Art wieder selbst zu lieben. 

Dass ihm ausgerechnet die erfolgreiche Bewerbung für dieses wunderbare Turnier einmal auf die Füßen fallen würde, nachdem er viele Turbulenzen, wie Allüren auf dem Platz oder einen Seitensprung mit Folgen („Der liebe Gott freut sich über jedes Kind“), überwunden hatte, wird Beckenbauer nicht gerecht. Es ist aber typisch für ein Land, das seine Helden gerne fallen sieht. Unvorstellbar, dass in Brasilien Pelé oder in Argentinien Diego Maradona jemals durch das Dorf getrieben werden würden wegen Anschuldigungen, für die es bis heute keine Beweise gibt.

Nicht umsonst hatte sich der zuletzt schwerkranke Beckenbauer seit Jahren aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Nun ist er tot. Doch er war, ist und wird immer der Vater des Sommermärchens bleiben, der als Spieler den Ball so legendär streichelte – und Legenden leben ewig.

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