Nicht zukunftsfähig

Nicht zukunftsfähig


Der 1. FC Köln lässt eine Vorentscheidung im Kampf um den Klassenerhalt liegen. Nicht nur aufgrund des erneut verpassten Dreiers kann man schon mal die Frage stellen: Hat der Trainerwechsel eigentlich etwas gebracht?

Was der FC am Hamburger Millerntor auf dem Rasen fabrizierte, kann einen wirklich fassungslos machen. Fehlpässe. Schlechtes Defensivverhalten. Laufwege, die auf purem Zufall beruhen. Offensiv galt die Devise: hoch und weit – und vorne hilft der liebe Gott. Unterm Strich war das, was die Kölner in Hamburg auf dem Rasen zeigten, das, was man im Volksmund gerne als „Angsthasenfußball“ bezeichnet. Gegen einen Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt kann man mehr erwarten – so spielt nur ein Absteiger.

Das Schlimmste: Zum ersten Mal in dieser Saison hatte man das Gefühl, dass die Einstellung in vielen Phasen des wirklich schlechten Kölner Spiels nicht stimmte. Schon in den ersten beiden Partien unter dem vom Co- zum Cheftrainer aufgestiegenen Rene Wagner waren fußballerisch deutliche Rück- statt Fortschritte zu erkennen – etliche schlampig vorgetragene Konter gegen zehn Bremer sprachen letzte Woche Bände. Doch immerhin hatte die Mannschaft Moral, Kampf und Leidenschaft an den Tag gelegt. Jetzt also dieser Auftritt beim FC St. Pauli.

Lukas Kwasniok kann man sicherlich einiges vorwerfen: unglückliche Aussagen auf Pressekonferenzen, möglicherweise moralisch unsauberes Verhalten abseits des Platzes oder rein sportlich eine ständig wechselnde Startelf. Doch in den 29 Pflichtspielen unter dem Ex-Coach hat die Einstellung, wenn überhaupt, nur phasenweise nicht gestimmt. Und fußballerisch gab es eine klar erkennbare Idee von attraktivem Fußball, die ganz oft funktionierte, aber leider viel öfter nur am Fußballgott und seinen Richtern auf Erden scheiterte. Seien es Handspiele, unterschiedlich bewertete Foulspiele oder Abseitsentscheidungen, die auch durch eine angeblich fehlerfreie Technik schlicht nicht zu rechtfertigen waren.

Und da sind wir auch schon beim wirklich einzigen Punkt, der unter Wagner besser funktioniert als unter seinem Vorgänger: das Spielglück. Kann man nicht trainieren, muss man haben. Und schaut man sich sowohl den Spielverlauf gegen den SV Werder Bremen an – Stichwort Rote Karte – als auch das unnötige Einsteigen des Pauli-Spielers Karol Mets gegen Jakub Kaminski – Stichwort Elfmeter –, meinte es der Fußballgott endlich mal gut mit den Domstädtern. Denn hätte es Luca Waldschmidts verwandelten Schuss vom Punkt nicht gegeben, wäre der FC ohne jeglichen Torversuch geblieben.

Fünf Punkte aus drei Spielen unter Wagner, sagen jetzt viele, sind das, was unter dem Strich zählt. Viele weitere Zähler muss man auch nicht mehr holen, um letztendlich die Klasse zu halten. Dann hätten die Verantwortlichen beim FC rund um Geschäftsführer Sport Thomas Kessler zumindest mit Blick auf die Tabelle – und die zählt – auch alles richtig gemacht. Zukunftsfähig ist das alles aber nicht.

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